Das Europäische Vogelschutzgebiet Diemel- und Hoppecketal – eine Chance für unsere Region!

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Durch Flächenverbrauch, landwirtschaftliche Intensivierung und Klimawandel befinden wir uns gerade in der Zeit eines historischen Artensterbens.

Umso bedeutsamer ist die Region des Diemel- und Hoppecketals mit seiner Umgebung im östlichen Hochsauerlandkreis: Die Populationen bestimmter bedrohter Arten sind hier (noch) so groß, dass diesem Gebiet europaweite Bedeutung für deren Schutz zukommt. Der VNV hat darum im Dezember 2019 bei der Europäischen Kommission einen Antrag auf Ausweisung eines „Europäischen Vogelschutzgebiets“ (VSG) gestellt, um den langfristigen Schutz dieser bedrohten Arten zu gewährleisten. Durchschriften des Antrages sind zeitgleich an das Land NRW, die Bezirksregierung Arnsberg und den Hochsauerlandkreis gegangen.

Schwarzspecht

Das Land Nordrhein-Westfalen folgt der Argumentation des Antrags. Die Prüfung durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat die hohe Schutzwürdigkeit bestätigt.

Die Bezirksregierung Arnsberg als federführende Behörde sagt: Das Gebiet „von Esshoff im Westen bis Essentho im Nordosten hätte ‘aufgrund der Datenlage‘ schon 2004 als Vogelschutzgebiet ausgewiesen werden müssen. Schon damals habe diese Fläche ‘zu den für den Vogelschutz geeignetsten Gebieten‘ gehört.“ (Zitat Westfalenpost vom 17.12.2020)

Langjährige Bestandsaufnahmen u.a. von Rotmilan, Uhu, Grauspecht, Raubwürger und Neuntöter beweisen die europäische Bedeutung der hier beheimateten Populationen dieser Arten. Das LANUV führt aus, dass eine ganze Reihe von Kriterien zur zwingenden Ausweisung eines VSG erfüllt sind – dabei würde schon ein Kriterium allein eine Ausweisung nötig machen:

  • Der Raubwürger als FFH-Anhang I-Art komme mit über 1 % des deutschen Brutbestandes im Gebiet vor.
  • Das Gebiet weise mit 20-25 Individuen einen bedeutenden Winterbestand des Raubwürgers auf. Daher sei das Kriterium, dass sich hier von dieser Art mindestens 1 % der Rast- und Überwinterungsräume Deutschlands befinden, möglicherweise erfüllt (möglicherweise, weil keine Daten zum bundesdeutschen Winterbestand des Raubwürgers vorlägen).
  • Für gleich drei (!) Arten gelte das VSG als eines der fünf wichtigsten Gebiete in NRW für Anhang I-Arten oder Arten nach Art. 4 (2):
    • Grauspecht (8-10 % des Bestandes von NRW)
    • Neuntöter (4-7 % des Bestandes von NRW)
    • Raubwürger (32-53 % des Bestandes von NRW)
Rotmian

Auch durch die reichhaltige Habitatausstattung des Gebietes würden nach Aussage des LANUV folgende Zusatzkriterien erfüllt:

  • Das Gebiet unterscheide sich in Charakter, Habitat oder ornithologischem Wert von der Umgebung.
  • Das Gebiet biete eigenständig oder mit anderen Gebieten die nötigen Lebensgrundlagen für die zu schützenden Arten.
  • Das Gebiet sei ein bestehendes oder potentielles Schutzgebiet oder eine Region, in der Maßnahmen für den Naturschutz möglich sind, da die Flächen in großen Teilen als FFH- oder/und Naturschutzgebiete ausgewiesen sind.
  • Weitere Vogelarten mit landesweit bedeutsamen Populationen nach Anhang I der EU-Vogelschutz-Richtlinie, die im VSG Diemel- und Hoppecketal vorkommen, seien:

Eisvogel, Uhu, Schwarzmilan, Schwarzstorch, Schwarzspecht, Mittelspecht, Raufußkauz. Rotmilan, Wiesenpieper.

Die hier aufgelisteten Vogelarten kommen im Gebiet vor:

Zeige Liste

Liste der im VSG „Diemel- und Hoppecketal mit Wäldern bei Brilon und Marsberg“ nachgewiesenen Vogelarten 

NRW weist Gebiete als Vogelschutzgebiete aus, in denen von europäisch bedeutsamen Arten mindestens 5% der NRW-Population vorkommen.

Insgesamt lassen sich im Gebiet 113 Brutvogelarten nachweisen. Das sind rund 60% aller Brutvogelarten in NRW und 48% der Vogelarten in Deutschland. Von den 113 Arten stehen 33% auf der Roten Liste.

Artname:fett = europäisch bedeutsame Art5%-Kriterium
Haubentaucher  
Graureihermehrere Kolonien 
Schwarzstorchmehrere Brutrevierex
Höckerschwan  
Graugans  
Kanadagans  
Nilgans  
Stockente  
Reiherente  
WiesenweiheBrutpaar am Rand des Verbreitungsgebietesx
Mäusebussard  
Sperberverbreitet vorkommend 
Habichtverbreitet vorkommend 
RotmilanVerbreitungsschwerpunkt im HSKx
Schwarzmilanmehrere Brutrevierex
WespenbussardBestand unklar 
Baumfalkemehrere Brutreviere 
Wanderfalkemehrere Brutreviere 
Turmfalke  
Rebhuhnletzte Vorkommen im HSK außerhalb Medebacher Bucht 
WachtelVerbreitungsschwerpunkt im HSK 
Teichralle  
Bleßralle  
Wachtelkönighochgradig seltene Art; Invasionsvogel – bis zu 3-4 Paaren 
Flußregenpfeifermehrere Brutreviere 
Waldschnepfemehrere Brutreviere; Gesamtbestand unklar 
HohltaubeVerbreitungsschwerpunkt im HSK 
Ringeltaube  
Türkentaube  
TurteltaubeEinzelreviere; massive Bestandsrückgänge seit 20 Jahren 
Kuckuckeinzelne Rufer; massive Bestandsrückgänge seit 20 Jahren 
SchleiereuleEinzelreviere; massive Bestandsrückgänge seit 20 Jahren 
Uhuhöchste Dichte in Deutschland(x)
Waldkauz  
Rauhfußkauzmehrere Brutreviere; Bestandsrückgänge seit mehreren Jahrenx
WaldohreuleEinzelreviere; Bestandsrückgänge seit mehreren Jahren 
Mauersegler  
Eisvogelmehrere Brutreviere 
Buntspecht  
Grauspechthohe Dichte in Altwäldernx
Grünspechtbedeutende Bestandszunahme seit 20 Jahren; Klimagewinner 
Mittelspechtmehrere Brutreviere 
Kleinspechtmehrere Brutreviere 
Schwarzspechtmehrere Brutreviere 
Feldlerche  
Mehlschwalbe  
Rauchschwalbe  
Schafstelzemehrere Brutreviere 
Bergstelze  
Bachstelze  
Baumpieper  
Wiesenpiepergute Bestände in ausgewiesenen Schutzgebieten 
Raubwürgerherausragende Anzahl von Brutrevieren für NRW und Deutschland!; zahlreiche Winterreviere (Zugvogelart)x
NeuntöterVerbreitungsschwerpunkt im HSK und NRWx
Wasseramselan den Fließgewässern verbreitetx
Zaunkönig  
Heckenbraunelle  
Feldschwirl  
Sumpfrohrsänger  
Gelbspötter  
Gartengrasmücke  
Mönchsgrasmücke  
Klappergrasmücke  
Dorngrasmücke  
Fitis  
Zilpzalp  
Waldlaubsänger  
Wintergoldhähnchen  
Sommergoldhähnchen  
Trauerschnäpper  
Grauschnäpper  
Schwarzkehlchenmehrere Brutpaare; Klimagewinner 
Braunkehlchen  
Gartenrotschwanzselten, starke Rückgänge in den letzten 30 Jahren 
Hausrotschwanz  
Rotkehlchen  
Steinschmätzer  
Misteldrossel  
Singdrossel  
Amsel  
Wacholderdrossel  
Schwanzmeise  
Haubenmeise  
Sumpfmeise  
Weidenmeise  
Blaumeise  
Kohlmeise  
Tannenmeise  
Kleiber  
Gartenbaumläufer  
Waldbaumläufer  
Rohrammer  
Goldammer  
Zippammereinziges Vorkommen in NRW; nördlichstes Vorkommen in Mitteleuropax
Buchfink  
Girlitz  
Grünfink  
Distelfink  
Birkenzeisig  
Erlenzeisig  
Bluthänfling  
Fichtenkreuzschnabel  
Kernbeißer  
Gimpel  
Haussperling  
Feldsperling  
Star  
Eichelhäher  
Elster  
Tannenhäher  
Dohle  
Rabenkrähe  
Kolkrabe  

Das LANUV gibt daher das eindeutige Fazit:

  • Das Gebiet „Diemel- und Hoppecketal mit Wäldern bei Brilon und Marsberg“ erfüllt die Kriterien eines EU-Vogelschutzgebiets.
  • Dieses VSG schützt wesentliche Anteile der NRW-Populationen von Arten des Anhangs I und nach Art 4 (2) Vogelschutzrichtlinie der EU (VschRL).
  • Das VSG stellt somit einen wichtigen Beitrag zum Natura 2000-Netz dar.
  • Wesentliche Flächenanteile des VSG sind bereits durch FFH-Gebiete und Naturschutzgebiete abgedeckt.

Da die Voraussetzungen für ein EU-Vogelschutzgebiet zweifelsfrei mehr als erfüllt sind, muss das Land Nordrhein-Westfalen dieses Gebiet auch offiziell als VSG ausweisen; es besteht sogar nach geltendem Recht faktisch schon.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Chancen für den östlichen Hochsauerlandkreis

  • Das östliche Sauerland spielt schon jetzt als Wander- und Radfahrregion eine große Rolle für den Tourismus. Ein offizielles VSG bietet weitere Werbemöglichkeiten gegenüber Naturliebhabern und steigert den touristischen Wert des Gebiets.
  • Die landwirtschaftlichen Betriebe profitieren – unabhängig von der Bewirtschaftung erhalten alle Landwirte pauschal für jeden Hektar bewirtschafteten Landes eine grundsätzliche Förderung in Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Im VSG Medebacher Bucht sind dies bis zu 120 Euro pro Jahr und Hektar zusätzlich zu weiteren Förderprogrammen.
  • VSG sind Schwerpunkte des Einsatzes von Fördermitteln des Naturschutzes. In einem VSG können Landwirte einfacher Fördergelder für ökologischere Bewirtschaftungsformen und Öko-Maßnahmen erhalten, also weiteren wirtschaftlichen Nutzen aus dem VSG ziehen: Alle Grünlandflächen sind in einem VSG grundsätzlich förderfähig für den freiwilligen Vertragsnaturschutz (Kulturlandschaftspflegeprogramm / KLP).
  • Ein VSG bietet der Entwicklung der Landwirtschaft langfristige Perspektiven. Das VSG soll zukünftig ein Schwerpunkt für die Biodiversitätsberatung und -Förderung der Landwirtschaftskammer und der Unteren Naturschutzbehörde sein, um Maßnahmen für die gemeinschaftlich umzusetzende, geförderte naturschutzgerechte Landbewirtschaftung durchzuführen.
  • In der Forstwirtschaft können – neben den vorhandenen Förderangeboten – nach Ausweisung des VSG neue Förderinstrumente wie die Einführung eines Angebotes für einen flächenhaften Verzicht auf Waldnutzung in ausgewählten Bereichen entwickelt und eingefordert werden. Beispielsweise kann ein sogenanntes „Altwald-Streckungskonzept“ entwickelt werden: Das Bundesamt für Naturschutz schlägt vor, dass der Bestockungsgrad eines Alt-Waldbestandes alle zehn Jahre um den Faktor 0,1 abgesenkt wird, um dauerhaft einen Altwald zu erhalten.

Keine Nachteile für die Wirtschaft!

Das schon seit dem Jahr 2000 bestehende Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht zeigt, dass weder die wirtschaftliche Entwicklung blockiert wird, noch die land- und forstliche Bewirtschaftung mit verordneten Einschränkungen belastet wird. Entwicklungsflächen um die Ortschaften sind dort explizit ausgenommen, wie dies auch beim Vogelschutzgebiet Diemel- und Hoppecketal der Fall ist. Sämtliche ausgewiesene Gewerbe- und Industriegebiete sind von dem VSG nicht betroffen.

Bedrohungen für Natur- und Landschaft können gemildert werden

Durch die Bestätigung der fachlichen Eignung durch das LANUV liegt ein faktisches Vogelschutzgebiet vor, welches direkte Auswirkungen auf Planungen wie z.B. den Bau von Windkraftanlagen und andere großflächige Planungsvorhaben hat – die berechtigten Anliegen des Naturschutzes werden gestärkt. Zudem wird zukünftig ein Monitoring über die Bestandsentwicklung der wertgebenden Vogelarten durchgeführt. Sollten deren Brutpaarzahlen dauerhaft gravierend rückläufig sein, werden die notwendigen Maßnahmen auf der Grundlage eines Vogelschutzmaßnahmenplans mit allen Beteiligten erarbeitet und umgesetzt.

Auch folgender aktuell stattgefundener Naturfrevel darf in einem ausgewiesenen VSG nicht mehr stattfinden: Im Winter 2020 wurden mehrere Hektar eines weit über 100jährigen Buchen-Altbestandes bei Marsberg-Giershagen komplett abgeholzt.

Uhu
Raubwürger
Neuntöter
Hohltaube
Artenreiche Glatthaferwiese im NSG Hemmeker Bruch; im Hintergrund extensive Beweidung mit Rotem Höhenvieh  – – heute ein seltener Anblick und Voraussetzung für eine artenreiche Insekten- und Vogelwelt

Strukturreiche Landschaften wie das Diemeltal bieten gute Lebensbedingungen für Arten des Offen- und Halboffenlandes wie Neuntöter, Goldammer, Grünspecht etc.  Sie sind außerdem von großer touristischer Bedeutung, da solche Landschaftenauch einen hohen Erlebniswert haben.

Die alten Wälder aus standortgerechten, heimischen Laubholzarten sind das Herzstück des Waldnaturschutzes. Sie sind Lebensraum für Grauspecht, Schwarzspecht, Schwarzstorch und Co.. Auf ihrem Erhalt liegt ein besonderes Augenmerk im beantragten Vogelschutzgebiet Diemel- und Hoppecketal

FAQs zum Vogelschutzgebiet:

Vogelschutzgebiete und Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) sind beides sogenannte NATURA 2000 – Gebiete.

Unter Natura 2000 versteht man ein staatenübergreifendes Netz besonderer Schutzgebiete innerhalb der Europäischen Union.

Die Auswahl der Gebiete erfolgt für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union nach einheitlichen Kriterien der Vogelschutzrichtlinie von 1979 und der FFH-Richtlinie von 1992. Bei der Auswahl der Gebiete dürfen nur naturschutzfachliche Kriterien herangezogen werden.

Warum wurden Gebiete als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen?

Europaweit sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie zahlreiche Lebensräume in ihrem Bestand gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Die Natura 2000-Gebiete wurden ausgewiesen, um diese bedrohten Arten und die natürlichen Lebensräume zu schützen und zu erhalten. Mit der Ausweisung ist auch das Ziel verbunden, einen zusammenhängenden ökologischen Verbund zu schaffen, der über Korridore einen Austausch zwischen Arten ermöglicht.

Was ist das Ziel der Natura 2000-Gebiete?

Ziel der Ausweisung ist es, einen guten Erhaltungszustand der Lebensräume und Arten zu sichern oder – soweit erforderlich – wiederherzustellen.

Was ist FFH-Monitoring?

Der Erhaltungszustand der Arten und Lebensräume wird von den Mitgliedstaaten überwacht. Hierzu legen sie gemäß Art. 17 der FFH-Richtlinie alle 6 Jahre Berichte an die EU über die durchgeführten Erhaltungsmaßnahmen und die Ergebnisse der Überwachung vor. In Deutschland sind die Bundesländer bzw. Stadtstaaten zuständig.

Wie hoch ist der sozioökonomische Nutzen von Natura 2000?

Die Datengrundlage ist noch gering. Die bislang verfügbaren Studien zeigen, dass die sozioökonomischen Leistungen des Natura 2000-Netzwerks die für den Schutz notwendigen Mittel weit überwiegen. Die Europäische Kommission hat am 12.12.2011 ihre Mitteilung zur Finanzierung von Natura 2000 aktualisiert. Die Kosten in allen Mitgliedsländern belaufen sich auf 5,8 Milliarden Euro jährlich, der Nutzen wird auf 200-300 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Erholungsleistungen und Tourismus sowie allgemeine Ökosystemfunktionen gehören ebenso zu den Vorteilen wie indirekte Leistungen, die sich selbst bei Nichtnutzung ergeben.

Kann in Flächen, die als Lebensraumtyp bzw. Arthabitat kartiert sind, die bisherige Bewirtschaftung weitergeführt werden?

Viele der schutzwürdigen Lebensräume sind erst durch bestimmte Landnutzungsformen entstanden. Um sie zu erhalten, ist auch weiterhin eine angepasste, naturverträgliche Bewirtschaftung nötig. Die bisherige land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung im Rahmen der guten fachlichen Praxis ist natürlich weiterhin möglich, wenn sie dem günstigen Erhaltungszustand nicht entgegensteht.

Gibt es besondere Vorgaben zur Bewirtschaftung in Natura 2000-Gebieten?

Für alle Landnutzer ist die gesetzliche Vorgabe verbindlich, dass sich durch die Bewirtschaftung der Erhaltungszustand der im Gebiet vorkommenden FFH-Lebensräume, der nach Anhang II der FFH-Richtlinie geschützten Arten sowie der europäischen Vogelarten und sonstiger für die Erhaltungsziele wichtiger Bestandteile nicht verschlechtern darf. Informationen über solche Vorkommen und die jeweiligen Erhaltungsziele sowie geeignete Erhaltungsmaßnahmen geben die Vogelschutzmaßnahmenpläne.

Gilt das Verschlechterungsverbot für die Fläche des Natura 2000-Schutzgebietes?

Das Verschlechterungsverbot gilt für die Lebensraumtypen und Arten, für die Erhaltungsziele maßgeblich sind. Es ist zu beachten, dass auch Eingriffe im Umfeld des Natura 2000-Gebietes den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten beeinflussen können und daher auf mögliche Beeinträchtigungen zu prüfen sind. Dies gilt auch für Maßnahmen jenseits der Schutzgebietsgrenzen, soweit ihre Wirkungen in das Schutzgebiet hineinreichen.

Welche Folgen hat ein Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot in Natura 2000-Gebieten?

Verstöße gegen das Verschlechterungsverbot sind unzulässig. (§§ 33, 34 BNatSchG): Die zuständigen Behörden können die Wiederherstellung des früheren Zustandes oder Kompensationsmaßnahmen anordnen.

Weitere Auskünfte erteilen die Naturschutzbehörden (Untere Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung, Obere Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung).

Sind Nutzungsänderungen in einem Natura 2000-Gebiet möglich?

Nutzungsänderungen sind möglich, soweit sie sich nicht nachteilig auf den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten auswirken. Eine Veränderung der Nutzung einzelner Flächen führt nicht automatisch zur Verschlechterung eines Gebietes insgesamt. Im Zweifelsfall sollte eine beabsichtigte Nutzungsänderung der Unteren Naturschutzbehörde rechtzeitig angezeigt werden.

Was enthält der Vogelschutzmaßnahmenplan?

Der Vogelschutzmaßnahmenplan enthält den Auftrag, dafür zu sorgen, dass der günstige Erhaltungszustand der im Vogelschutzgebiet bedeutsamen Lebensraumtypen und Arten bewahrt und gegebenenfalls wiederhergestellt wird. Die aus naturschutzfachlicher Sicht erforderlichen Maßnahmen werden im Vogelschutzmaßnahmenplan nur allgemein formuliert und bestimmten Räumen zugeordnet, in denen sie umgesetzt werden sollen.

In welchen Schritten wird ein Vogelschutzmaßnahmenplan erstellt? Wie erfahre ich, in welchem Zustand sich ein Gebiet befindet?

Der Vogelschutzmaßnahmenplan soll Klarheit über den Zustand der maßgeblichen Lebensraumtypen, Tiere und Pflanzenarten geben. Er besteht aus einem Grundlagen- und einem Maßnahmenteil. Es wird darin beschrieben, welche Arten und Lebensraumtypen den besonderen ökologischen Wert des Gebietes ausmachen, welche Erhaltungsziele für das Gebiet gelten und welche Maßnahmen notwendig sind, um die Arten und Lebensräume in einem günstigen Erhaltungszustand zu erhalten bzw. dahin zu verbessern.

Wer erstellt den Vogelschutzmaßnahmenplan?

Der Vogelschutzmaßnahmenplan wird vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) im Auftrag des Umweltministeriums erstellt. Die Untere Naturschutzbehörde koordiniert die Erstellung. Hierin werden die erforderlichen Maßnahmen für die einzelnen Gebiete und die Überwachung im Hinblick auf den Erhaltungszustand der natürlichen Lebensraumtypen und Arten im Benehmen mit den kommunalen Planungsträgern und unter Beteiligung der Betroffenen festgelegt.

Ist der Vogelschutzmaßnahmenplan verbindlich für jedermann?

Der Vogelschutzmaßnahmenplan ist eine verbindliche Handlungsleitlinie für Behörden. Durch den Vogelschutzmaßnahmenplan besteht keine rechtliche Verpflichtung eines bestimmten Eigentümers oder Bewirtschafters einer Parzelle, entsprechende Maßnahmen selbst durchzuführen oder hinzunehmen. Naturschutzfachliche Ziele werden auf freiwilliger Basis, also vertraglich umgesetzt.

Gibt es für Maßnahmen zur Erhaltung des günstigen Zustandes eine spezielle Natura 2000- Förderung?

In den Natura 2000-Gebieten erwartet der Gesetzgeber eine gewisse Rücksichtnahme bei der Bewirtschaftung, verbietet allerdings – anders als in anderen Schutzgebietskategorien – bestimmte Handlungen nicht generell, sondern nur, wenn sie das Natura 2000-Gebiet beeinträchtigen können. Nordrhein-Westfalen setzt vorrangig auf die Freiwilligkeit der Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen. Die durch extensive Bewirtschaftung und besondere Maßnahmen entstehenden Mehraufwendungen und Einkommensverluste sollen durch eine finanzielle Förderung ausgeglichen werden. Fördermittel für bestimmte Erhaltungsmaßnahmen werden z. B. über die landwirtschaftlichen Förderprogramme oder über das Vertragsnaturschutzprogramm angeboten. Auch Kompensationsmaßnahmen können zur Umsetzung von Natura 2000-Maßnahmen genutzt werden.

Wie wirkt sich ein schlechter Erhaltungszustand auf die Bewirtschaftung aus?

Für Arten oder Lebensraumtypen, die sich in einem schlechten Erhaltungszustand befinden, sind gemäß Art. 2 der FFH-Richtlinie und § 17 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) Maßnahmen zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung notwendig. Diese werden im Maßnahmenteil des Vogelschutzmaßnahmenplans formuliert.

Wie ist der Maßnahmenteil des Bewirtschaftungsplans aufgebaut?

Hohe Priorität haben Maßnahmen für seltene oder besonders wichtige Artvorkommen oder Lebensraumtypen, die sogenannten „Hot Spots“.

Warum wird das Vogelschutzgebiet von den politischen Akteuren überwiegend abgelehnt?

Angesichts der Verlautbarungen in der örtlichen Presse kann das nur mit fehlender Information erklärt werden.

Hat der ehrenamtliche Naturschutz konspirativ und heimlich kartiert?

Der Vorwurf ist wohl der einfältigste im bisherigen Verfahren. Im VNV sind die Artenkenner aus allen Bereichen der Tier- und Pflanzenwelt beheimatet. Ihre Kenntnisse sind gefragt bei Behörden und Planungsträgern.

Die aktivste Gruppe im Verein sind die Ornithologen, die im Rahmen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (OAG) seit Jahrzehnten jedes Jahr Monitoringuntersuchungen an ausgewählten Brutvogelarten des Hochsauerlandkreises durchführen und veröffentlichen. In den letzten Jahren wurde dazu zunehmend das Portal ornitho.de genutzt. Diese Internetseite ist für angemeldete mitarbeitende Ornithologen frei zugänglich und nur sensible Arten und Brutplätze werden zum Schutz vor dem Zugriff geschützt eingegeben.

Diese Datensammlung, die schon seit Jahren und Jahrzehnten in allen möglichen Verfahren genutzt wird, ist sicher nicht heimlich und konspirativ angelegt worden.

Kommt das Vogelschutzgebiet plötzlich auf die Städte zu und „erwischt es sie kalt“?

Auch dieser Vorwurf ist nicht nachvollziehbar. Das Gebiet ist mit nachprüfbaren Daten der letzten 3 bzw. nach Anforderung 4 Jahren der EU zur Prüfung vorgelegt worden. Gleichzeitig zum Antrag wurden die Untere Naturschutzbehörde beim Hochsauerlandkreis, die Höhere Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung und das Umweltministerium informiert. Im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens werden die Städte und alle „Betroffenen“ ihre Anregungen, Bedenken und Einwendungen vorbringen können.

Ein Vogelschutzgebiet ist das am besten nachprüfbare Schutzgebiet, da hier vorgegebene Größenordnungen von europäisch bedeutsamen Vogelarten vorhanden seien müssen, um die Ausweisung zu rechtfertigen.

Werden die vorgesehenen Flächen durch die Ausweisung als Vogelschutzgebiet erstmalig als Schutzgebiet ausgewiesen?

Viele der Flächen des Vogelschutzgebietes waren bisher schon im Rahmen der Landschaftspläne als Naturschutzgebiete oder verschiedenstufige Landschaftsschutzgebiete sowie als FFH-Gebiete festgesetzt. Auch und vor allem in den Wäldern gab es großflächige Schutzgebiete. Dies scheint einigen Akteuren nicht klar zu sein, obwohl es sich schon aus der Kartendarstellung in der örtlichen Presse ergibt.

Wenn die „normale Bewirtschaftung“ weiterhin möglich ist, was ändert sich dann in der Landschaft?

Neben der bisherigen Nutzung ist natürlich auch die wirtschaftliche Entwicklung in Gewerbegebieten und allen anderen Flächen möglich, die innerhalb der Flächennutzungspläne liegen. Landschaftszerstörende Planungen, z.B. Windkraftanlagen außerhalb der ausgewiesenen Vorrangzonen, sind mit einem Vogelschutzgebiet unvereinbar. Die Trassenvarianten der B7n sind durch die Planung nicht betroffen.